Tweets 1.0 aus Haiti
Am 18.1.2010 sind wir für BILD in das Katastrophengebiet von Haiti aufgebrochen, um einen Hilfstransport zu begleiten und zu dokumentieren, wie die Hilfe vor Ort ankommt und wie Spenden aus Deutschland Leben retten. Initiator für diesen Transportflug war “Ein Herz für Kinder”, AirBerlin stellte den Flieger, an Bord waren Ärzte, Logistiker und Apotheker von Humedica, Kindernothilfe, WorldVision und Apotheker ohne Grenzen – insgesamt 18 Helfer und 40 Tonnen Fracht (Babynahrung, medizinisches Gerät, Infusionen, Wasserkanister, etc.)
Nach unser Landung in der Dominikanischen Republik machte sich unser Konvoi morgens um 4.30 Uhr auf den Weg in Richtung Port au Prince. Noch recht angezählt von der kurzen Nacht und unsicher, was uns in den nächsten Tagen erwartet, beschloss ich, ab sofort so regelmäßig wie möglich zu twittern – um live die Eindrücke weitergeben zu können, die für uns alle in dieser Intensität komplett neu waren.
Sicher gibt es wahnsinnig viele traurige aber auch schöne Geschichten, die sich hier über Haiti und unsere Woche dort erzählen ließen. An dieser Stelle will ich aber nur die Tweets und einige der unzähligen User-Kommentare abbilden – weil es eine mitunter sehr bewegende Erfahrung war, wie viel Feedback wir auf diesem Weg erhalten haben.
Da meldeten sich plötzlich Kollegen oder entfernte Bekannte und schrieben, dass sie für uns beten, wildfremde Menschen schickten ihre Botschaften an das Helfer-Team, wünschten alles Gute oder boten ihre eigene Hilfe an. Die Resonanz war so groß, dass ich schon ab dem zweiten Tag abends dem Hilfsteam die Kommentare vorlesen sollte, weil auch sie begeistert waren zu erfahren, wie intensiv und wie zahlreich die User ihre Arbeit verfolgten.
- Vermutlich gibt es coolere und weniger statische Varianten, so eine Twitter-Timeline nachträglich zusammenzufassen und mit Kommentaren (auch z.B. von Facebook) zu vermixen – ich hab’s einfach mal in PowerPoint gemacht (und ehrlich gesagt nicht auf die Dateigröße geachtet… Sorry!). Vielleicht auch, weil es mir gefiel, mich nochmal intensiv mit diesen Einträgen zu beschäftigen.
Fazit dieses journalistischen Twitter-Live-Versuchs: Heute stutz ich manchmal selbst, wie angefasst und aufgewühlt ich offenbar bei einigen Tweets war – aber gerade das macht es wohl authentisch und ließe sich in jeder anderen Nicht-Realtime-Berichterstattung so nicht einfangen. Gleichzeitig war es fantastisch, sofort Feedback zu erfahren und zu sehen, wie hilfsbereit Menschen sind. Mindestens drei der Twitter-Leser starten nun in den nächsten Wochen nach Port au Prince, um dort die Helfer-Teams zu unterstützen.
Der Twitter-Kommentare-Stream als PPT in drei Teilen (wg. Dateigröße… Inzwischen hat er hoffentlich geladen…)

Deine Tweets haben uns Daheimgebliebenen die Katastrophe irgendwie näher gebracht, als die “normale” Berichterstattung. Es wurde dadurch persönlicher, greifbarer, wirklicher. Zumindest habe ich so empfunden.
Pleitegeiger
10 Feb 10 at 00:04