Archive for März, 2010
Was machen eigentlich die Fraggles?

Mit diesem Bild werben die Fraggles aktuell für ihre eigene Ausstellung. Foto: The Jim Henson Company
Gestalten wir es mal besonders spannend: Da gibt es jemanden, der sein bizarres Handwerk am liebsten verborgen in unterirdischen Gemäuern ausübt. Aber irgendwann kommt das plötzliche Karriere-Aus – und der Typ wird weggesperrt. Eingeschlossen hinter einer Wand aus Glas. Jahrelang. Tag für Tag muss er ungeschützt die neugierigen Blicke seiner Besucher erdulden. Und vermutlich denkt er die ganze Zeit über daran auszubrechen. Dieser Tag wird kommen. Und wenn er kommt, dann… Dann wird sein Schaffen in einem großen Spielfilm verarbeitet.
Klingt ein bisschen wie das Leben von Hannibal Lecter und “Das Schweigen der Lämmer” – trifft aber auf jeden Fraggle ebenso zu.
Eigentlich war es hier nicht mein Hauptziel, den Verbleib von drolligen Puppen zu recherchieren. Aber nach dem letzten Herr-von-Bödefeld-Beitrag kamen diverse Nachfragen zu anderen Helden unserer Kindheit: Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt, Gordon, Bob, Susanne, Herr Huber (alte Sesamstraße) oder eben nach dem Werdegang der Fraggles (weitere Vorschläge – auch zu Personen aus Fleisch und Blut – gerne mal nicht per Twitter oder Mail sondern hier, dann verlier ich sie nicht). Ich habe mir die Fraggles rausgepickt, um damit vorerst den Themenkomplex “Puppen in Rente” zu schließen. Und die aufregende Nachricht vorab: Die Fraggles kehren zurück!
Natürlich gehören auch die Fraggles zur großen Jim-Henson-Familie. Und obwohl “Tier” aus der Muppet-Show schon als musikalischer Rebell galt, legten die Fraggles noch eine Schippe drauf. Oder wer hat es bislang sonst geschafft, xavier-naidoo-hafte Songtexte mit Jodel-Einlagen zu verfeinern? Unerreicht ist auch bis heute der Wissensschatz der allwissenden Müllhalde Marjorie, die als Orakel diente. Mir waren sie allerdings manchmal zu hektisch.
Zwischen 1983 und 1987 gab es fünf Fraggles-Staffeln im kanadischen Fernsehen. In Deutschland zeigte das ZDF 85 Folgen (Quelle: Wikipedia). Die erste gute Nachricht für Fraggle-Fans: Noch immer werden die Folgen unregelmäßig wiederholt. Auf Anixe HD kann ich die Serie offenbar abonnieren (ich hab’s nicht), der Junior-Kanal hatte die Fraggles zumindest bis vor kurzem noch im Programm (hier kann man einen Antrag auf Wiederaufnahme ins Programm stellen).
Wiederholungen hin oder her: Die Schauspieler waren natürlich auf einen Schlag arbeitslos und viele von ihnen landeten, wie oben bereits angedeutet, hinter Glas (rechts das Schock-Foto).
Wer also acht Dollar und ein Flugticket nach Atlanta zur Hand hat, kann die Fraggles persönlich im Center for Puppetry Arts besuchen – in der Ausstellung “Jim Henson: Wonders from his Workshop”. Die Info, die man schnell online findet, dass diese Ausstellung 2009 ausläuft, stimmt übrigens nicht.
Wer nicht so weit reisen will und dennoch eine tiefe Fraggle-Sehnsucht verspürt, wird sich über diese Nachricht freuen: Derzeit wird an einem Fraggle-Kinofilm gearbeitet! Seit 2005 laufen schon die Planungen. Bislang ist nur bekannt, dass Gobo, Wembley, Mokey und Boober ein Abenteuer außerhalb ihrer Höhlengänge erleben und auf Menschen treffen. Aktuell ist die Rede davon, dass der Film 2011/2012 in die Kinos kommt – vorher schielte man schon mal auf 2008 oder 2009. Eine schöne Historie dazu mit “Macher”-Zitaten gibt es hier.
Den Fraggles geht es also prima und sie starten (hoffentlich) von Neuem durch. Wer selbst die Wartezeit nicht mehr aushalten kann, dem empfehle ich einen Blick auf YouTube (hier das Original-Intro). Ich habe jedenfalls seit mehreren Minuten wieder den guten, alten Ohrwurm: Singt und schwingt das Bein… Klatsch Klatsch… Lasst die Sorgen Sorgen sein…
Was macht eigentlich Herr von Bödefeld?
Die Suche nach Herrn von Bödefeld war ein Auf und Ab der Gefühle. Es gibt eine Verstorbene zu betrauern und die skurrile Nachricht, dass sich Herr von Bödefeld verdreifacht hat.
Sollte es tatsächlich jemanden geben, der nicht weiß, um wen es geht? Falls dem so ist – hier ein Video:
Ich habe Herrn von Bödefeld verehrt! Während Tiffy nervte, hatte er so etwas Würdevoll-Dämliches. Seine Karriere startete er 1983 in der Sesamstraße. 1990 beendete er seine Laufbahn vor der Kamera und wurde laut Wikipedia von Rumpel ersetzt. Die Lizenz für die Puppe war ausgelaufen. Für mich jedenfalls (Jahrgang 1977) war Herr von Bödefeld fast meine komplette Sesamstraßenzeit über präsent.
Berühmt wurde Uli (ja, das ist sein offizieller Vorname – und nein, ich hätte nie gewagt, ihn so kumpelhaft anzusprechen) insbesondere wegen seiner hochnäsigen Art und seinem Beharren darauf, gesiezt zu werden. Was genau er darstellen sollte, war mir nie klar. Wikipedia beschreibt ihn als Puppe mit “blassrosa Farbe, einer Art Nasenbärschnauze, einer orangefarbene Rastafrisur und dürren Ärmchen zum korpulenten Körper”. Seine Schöpfer aus der “Fabula Filmpuppen”-Werkstatt nennen seine Gattung trocken: Klappmaulpuppe mit Stabführung…
Herr von Bödefeld ging also schon vor 20 Jahren in Rente. Aber wie es sich für Stars seines Kalibers gehört, folgten noch einige Tourneen – z.B. durch Ausstellungen in Berlin (1999) und München.
Zwar ist es danach wirklich ruhig um den alten Nörgler geworden – aber ich konnte dann doch noch einen guten Freund von ihm ans Telefon bekommen, der mir über seine aktuelle Tätigkeit Auskunft geben konnte.
Doch zunächst sollten wir Benita Steinmann würdigen. Sie war die Frau des ebenfalls berühmten Puppenspielers Peter Steinmann und die Seele von Herrn von Bödefeld, sie spielte ihn und verlieh ihm seine Stimme. Benita Steinmann starb 1996 im Alter von 56 Jahren an Lungenkrebs.
Wer jetzt auch etwas rührselig geworden ist und in seinen Kindheitserinnerungen schwelgt, dem empfehle ich dringend diese Seite: Eine Bilder-Galerie der alten Helden. Herr von Bödefeld in einer Schneeballschlacht, Samson beim Fasching und in der Hängematte mit Lilo… Aber vorsicht: Hier finden sich auch Bilder, wie Puppenbauer Peter Röders in sein Samson-Kostüm klettert. Samson ohne Kopf… ich weiß nicht, ob ich das als Kind verkraftet hätte.
Genug der Erinnerungen, zurück in die Gegenwart. Ich habe dann mal bei meiner Suche nach Herrn von Bödefeld bei der bereits erwähnten “Fabula Filmpuppen”-Werkstatt angerufen. Der nette Herr am Telefon brachte endlich Klarheit über Uli von Bödefelds Verbleib: “Ob Herr von Bödefeld da ist? Ja, der steht hier rum. Dem geht’s gut! Machen Sie sich mal keine Sorgen, auf den passen wir gut auf. Der wird ordentlich gepflegt.” Und dann noch eine Anmerkung, die zeigt, wie vielfältig der notorische Miesmacher Uli von Bödefeld wirklich ist: “Die beiden anderen Herr von Bödefelds gibt es auch noch!” Die beiden anderen?? “Ja, insgesamt gibt es drei von ihm. Die zwei anderen sind in Ausstellungen. Wo genau, kann ich Ihnen gerade nicht sagen. Aber: Unserem Herrn von Bödefeld hier geht es prächtig!”
Update: Wie geht die Hilfe weiter an der Schule, in der über 200 Kinder starben?
Für uns Reporter in Haiti war es “der traurigste Ort der Welt”. Hier habe ich schon über die Schule in Carrefour und die toten Kinder unter den Trümmern berichtet. Da es hoffnungsvolle Neuigkeiten gibt, nun ein kompaktes Update in Links und Fotos.
Ein Foto von dem Schulgelände in den Bergen von Carrefour (bei Port au Prince), bevor das Erdbeben kam (aufgenommen 2008):
Der Blick aus dem All mit Google-Maps auf die Schule und die Umgebung nach dem Beben:
Carrefour Petites Soeurs de Sainte Thérèse auf einer größeren Karte anzeigen
Die Tweets nach unserer Ankunft an der Schule: Sprachlosigkeit. Erklärung.
Die Fotos dazu:
Heute, über zwei Monate nach der Katastrophe, berichtet Jürgen Schübelin von der Kindernothilfe von ersten Schritten zurück in die Normalität.
- Es gibt wieder provisorischen Not-Unterricht für 1200 Kinder
- Ein Schul-Neubau wurde beschlossen – jedoch nicht auf der Stelle, wo die alte Schule stand. Hier soll eine Gedenkstätte entstehen.
- Die Trümmer, unter denen noch immer über 100 tote Kinder vermutet werden, werden mit schwerem Gerät abgetragen. Leider geht es nicht anders – die Schwestern hatten bis zuletzt gehofft, dass sie mit Hilfe der Menschen vor Ort den Schutt nach und nach abtragen können, um die Leichen einzeln zu bergen.
Die Details beschreibt Jürgen in diesem Blog-Beitrag (untere Hälfte)
Dank des Einsatzes der Kindernothilfe gibt es deshalb auch endlich wieder ein Foto eines fröhlichen Kindes an diesem traurigsten Ort der Welt:


