Archive for Mai, 2010
Was macht eigentlich Andree Wiedener?
…oder besser: Warum tanzen plötzlich alle Bremer den Andree-Wiedener-Tanz?
Die WM rückt näher – also ist es auch in der Webnische Zeit, sich mehr dem Thema Fußball und dessen kleinen und großen, manchmal vergessenen Phänomenen zu widmen (so wie zuletzt hier zum Thema Nationalelf-Hits).
Diesmal geht’s um Werder Bremen und dessen fast vergessenen Publikumsliebling Andree Wiedener. Zwar sind die Fischstäbchen fußballerisch nicht wirklich meine Favoriten, aber neulich kam bei Freunden (eingefleischten Werder-Fanclub-Mitgliedern) die Frage auf: Warum tanzen wir eigentlich seit ein paar Monaten ständig den Andree-Wiedener-Tanz?
Nach liiinks…. Nach rechtssss… Bewegt eure Hüften und tanzt den Andree Wiedener…
Noch nie gehört oder gesehen? Bittesehr:
Auch die Mannschaft hat den Dreh raus (ca ab 1:20 Minuten):
Andree Wiedener spielte bis 2002 bei Werder Bremen. Wikipedia beschreibt ihn so:
Seine technischen Defizite glich er durch seine Schnelligkeit und seine enorme Einsatzfreude, die ihn im Weserstadion zum Publikumsliebling machte, aus
Hier findet sich ebenfalls die Information, dass Andree Wiedener heute ein Sportgeschäft in Griesheim bei Darmstadt betreibt.
Sympathisch zwar – aber alles noch kein Grund dafür, dass nun tausende Fans und sogar einige Fußballprofis seinen Tanz tanzen. In den Fan-Foren gibt’s mehrere Antwortversuche. Am plausibelsten erscheint mir dieser:
Es kommt daher, weil Andree Wiedener, wenn er schlecht/ungünstig zum Ball gestanden war, anstatt 2 Schritte nach links/rechts zu machen, immer so Sidestep-mäßig in die jeweilige Richtung gehüpft ist um sich besser hinter dem Ball zu positionieren
Zu dieser Erklärung gab’s bislang auch noch keinen Widerspruch.
Fans ahmen also die hervorstechenden Talente ihrer Stars nach. Dann hätte ich da noch einen Choregraphie-Vorschlag für die Italiener:
Was machen eigentlich Some & Any? UPDATE
“So erfolgreich sind Bands wie Queensberry und Some & Any heute, da vergisst man manchmal fast, wie alles einmal anfing für die Mitglieder”
So. Zack. Damit ist eigentlich alles gesagt über die Raketen-Karriere der Popstars-Sieger Leo Ritzmann (20) und Vanessa Meisinger (18). “So erfolgreich” sind sie “heute”. Gut, vielleicht ist das Statement da oben ein wenig subjektiv – es ist nämlich der aktuellste (einen Monat alte) News-Eintrag der Some & Any-Homepage und ein Aufruf an alle, sich für die neue Popstars-Staffel zu bewerben.
Wie andere Beobachter den Werdegang des Duos beschreiben und warum sie schon mehrfach den Titel “erfolgloseste Casting-Band” verliehen bekommen haben, hatte ich bereits hier aufgeschrieben. Inzwischen ist wohl auch der Plattenvertrag futsch.
Aber jetzt gibt es Neuigkeiten! Die Mopo berichtet, dass der Blick berichtet, dass (man beachte den Titel) das Klatschheftli berichtet, dass Leo wieder durchstartet. Er arbeitet demnach jetzt in einem Klamottenladen im Einkaufszentrum Glatt in Wallisellen.
Zitat der Geschäftsführerin im Blick:
“Leonardo hat sich ganz normal auf eine ausgeschriebene Stelle bei uns beworben. Nach einem Schnuppertag haben wir ihn eingestellt”
Damit wäre auch das Geheimnis gelüftet, was Any macht.
Die Vorcastings für die potenziellen Nachfolger sind bereits gelaufen. Gut möglich also, dass es schon in ein paar Monaten neues Futter für die Kategorie “Was machen eigentlich die neuen Popstars-Gewinner?” gibt.
Hier der nächste Update-Artikel – und offensichtlich der letzte zu diesem Thema.
Was wurde eigentlich aus den WM-Songs der Nationalmannschaft?
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Es war eine unserer großen, erfolgreichen Fußball-Traditionen: Zu jeder WM nahm die Fußball-Nationalmannschaft ein Lied auf. Gemeinsam mit Show-Titanen wie Peter Alexander oder Udo Jürgens wurden da feinste Poesie und stimmliche Abgründe auf Platten gepresst, um uns Fußballfans in Stimmung zu bringen. Ich habe die WM-Hits geliebt. Deswegen gibt’s hier die große Hitparade der Nationalelf-Kracher – und natürlich die Antwort auf die Frage: Was wurde eigentlich aus dieser schönen Tradtion? Warum singen Ballack, Schweini und Co heute nicht mehr wundervolle Zeilen wie:
Wir sind schon auf dem Brenner, wir brennen schon darauf
(WM in Italien, 1990)
Unter der roten Sonne seh’n wir uns wieder…. in Mexikooo!
(WM in Mexiko, 1986)
Der Traum von Liebe, die niemals endet – und von der Sonne die immer scheint,
von stillen Tagen und weißen Stränden – und heißen Nächten voll Zärtlichkeit.
(WM in Spanien, 1982)
Schuld daran sind wohl die Village People. Und (wie so oft) Berti Vogts…
Auslöser für die musikalischen WM-Expeditionen waren, so heißt es auf diversen Seiten im Netz, die Erfolge von “Gute Freunde” und “Bin i Radi, bin i König” (die Links führen zu den sehr sehenswerten Videos). Übrigens war “Gute Freunde” laut dieses Artikels nur die B-Seite von dem längst vergessenen Beckenbauer-Hit “Du allein”.
Im Jahr 1974 nahm die Nationalmannschaft dann konsequenterweise “Fußball ist unser Leben” mit Jack White auf. Natürlich wurden wir Weltmeister.
1978 folgte “Buenos Dias, Argentina” – gemeinsam mit Udo Jürgens. Schmach 1: Ich hab nur ein Video mit einem Solo-Auftritt von Udo Jürgens gefunden. Schmach 2: Cordoba.
1982 wurde es wieder peppiger. Mit Michael Schanze, Olé Espana und Platz 2 (man beachte die fetzige Bühnen-Choreo im Hintergrund)
Erneut Platz 2 bescherte uns der Auftritt der Nationalelf mit Peter Alexander und dem schmachtenden “Mexiko, mi amor” 1986. Auch hier lohnt sich ein intensiver Blick auf die Akteure. Sagenhaft! Mit Trompete und Gitarre! “Spiegel der stolzen Seele sind deine Lieder” – und dann ein Aufmarsch wie im Finale von “Dirty Dancing”.
Im Zauberjahr 1990 durfte wieder Udo Jürgens ran und sang mit Klinsi und Co “Wir sind schon auf dem Brenner”. Rüber nach Italien, Titel geholt. Es war der letzte echte Nationalelf-WM-Gassenhauer. (Überflüssig zu erwähnen, dass sich wieder die Details lohnen. Wer da plötzlich Gitarre spielen kann…)
Naja, und dann kam das Elendsjahr 1994: Aus im Viertelfinale gegen Bulgarien. Berti Vogts als Trainer. Und ein Lied mit den Village People.
Village People – Far Away In America – MyVideo
Ich erinner mich gut daran, wie wir den Auftritt damals schon dämlich fanden. Warum genau, ist mir auch nicht klar. Aber irgendwie waren die Chor-Gesänge all die Jahre davor so schräg, dass sie statt peinlich irgendwie bezaubernd wirkten. Bei der Village-People-Performance aber sprach man hinterher lediglich von der angeblichen glühenden Verehrung eines Sängers der Band für Maurizio Gaudino (dachte erst, es sei ein Witz der SZ – aber das Gerücht findet sich auf mehreren Seiten).
Vier Jahre später scheute Berti Vogts dann neue Experimente. Er selbst schlug angeblich das Lied “Running with a dream” von Anna-Maria Kaufmann und Joey Tempest vor – ohne Kicker-Beteiligung. Es kam nur bis auf Platz 94 der Charts und Deutschland schied erneut im Viertelfinale aus. Zufall??? Danach war unsere feine Gesangstradition am Ende – und lebt nun in den Sportfreunde Stiller oder Oli Pocher weiter… (und in Thomas Godoj mit der U21.)
Zum wehmütigen Ausklang hier noch die Platzierungen der WM-Lieder aus der Ultimativen Chartshow “Die größten Fußballhits aller Zeiten” (Top 50, Quelle: Rankaholics)
Platz 39: Far Away in America
Platz 28: Fußball ist unser Leben
Platz 17: Olé Espana
Platz 5: Buenos Dias, Argentina
