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Was macht eigentlich die Schuldfrage bei der Loveparade?
Am 24. Juli um 17.35 Uhr hörte ich zum ersten Mal von möglichen Toten auf der Loveparade. Zu dieser Zeit stand ich gerade im Pressebereich der Loveparade – also quasi am anderen Ende des Platzes, etwa einen Kilometer entfernt.
Kurz vorher hatte ich zufällig mit dem Handy fotografiert, wie Dutzende Partygäste das Tor zum VIP-Bereich von außen umgerissen hatten, um auf das Veranstaltungsgelände zu stürmen. Eigentlich hätte ich da also schon stutzig werden müssen, dass nicht alles optimal abläuft. Wurde ich aber nicht. Ich hatte das abgehakt mit dem Gedanken: “Na, die wollten einfach den Weg abkürzen.” Nach zehn Minuten und mit reichlich Verstärkung hatten die Ordner die Situation wieder im Griff.
Dass es tatsächlich chaotisches Gedränge auf den offiziellen Wegen gab und um 17.02 Uhr die ersten Todesopfer an der Eingangsrampe geborgen wurden, erfuhr ich – wie gesagt – erst um kurz nach halb sechs. Etwa eine Viertelstunde später war ich dann an der mittlerweile so furchtbar bekannten Rampe und sah das Drama.
In diesem Beitrag will ich aber gar nicht auf die grauenhaften Szenen eingehen. Die meisten Bilder kennt man ja nun aus den Medien. Auch die Gespräche mit Verletzten und Zeugen, die wir führten, hat man so oder so ähnlich inzwischen überall gesehen und gelesen. Natürlich ist es auch mir ein Anliegen, meine Erschütterung zum Ausdruck zu bringen – und wenn es in diesem Eintrag eher nüchtern um die Schuldfrage bzw um die Schuldzuweisungen geht, soll bloß nirgendwo der Eindruck entstehen, die Opfer, die Verletzten und das Leid der Angehörigen seien mir egal. Dem ist nicht so. Ganz sicher nicht.
Mir blieb aber ein Detail vom nächsten Morgen besonders im Kopf. Nach einer sehr kurzen Nacht war ich im Taxi auf dem Weg in die Dortmunder Redaktion, um heute von hier zu arbeiten. Ich sprach mit dem Taxifahrer über die Tragödie auf der Loveparade (wie wir heute wissen mit 21 Toten und über 500 Verletzten) – und der Taxifahrer, ein älterer Herr mit feinem Ruhrpott-Dialekt, sagte folgendes:
Wissen Sie: Jetzt geht die Jagd auf die Schuldigen wieder los. Das ist ja immer so. Und es ist auch richtig, dass geklärt wird, wer da was verbockt hat. Aber eh Sie die Leute gnadenlos verurteilen und ihnen den Strick wünschen, denken Sie mal darüber nach, was die eigentlich wollten. Niemand wollte, dass da jemand stirbt. Jeder hatte seine eigenen Motive – aber niemand wollte Tod und Leid bringen. Nachher – da ist man immer schlauer.
Nochmal: Mir liegt es völlig fern, irgendwen von irgendeiner Verantwortung freizusprechen. Aber die Worte des Taxifahrers schwirrten mir noch lange durch den Kopf, als ich später Plakate an der Trauerstelle sah, auf denen der Oberbürgermeister Sauerland, der Vize-Polizeipräsident oder der Veranstalter Schaller abgebildet waren. Immer mit Sprüchen wie “Ihr Mörder”, “Ab in den Knast” oder “Ihr widerlichen Geldsäcke”.
Alles, was in den Folge-Tagen passierte, gab dem Taxifahrer recht. Es kam zu dieser unfassbar unerträglichen Pressekonferenz der leeren Worte. Und dann begann das große, widerliche Schwarze-Peter-Spiel. Jeder gab jedem die Schuld. Der eine konnte sich hinter dem offiziellen Hauch eines Zwischenberichtes verstecken (auch, wenn es wenig überrascht, dass ein Innenminister seine Polizei schützt) – der andere versuchte es mit Video-Statements. Keiner schaffte es bislang (bis auf den Crowd-Manager), die eigenen Fehler zuzugeben.
Und gleichzeitig wuchs und wächst die Wut auf die handelnden Personen. Bis ins Unermessliche. Bis hin zu Morddrohungen. Und dies ist der Grund dafür, dass ich einmal meine Meinung zu den Verantwortlichen aufschreiben möchte – die sich vielleicht nach neuen Erkenntnissen ändern wird, aber zur Zeit ein ein kleiner Appell ist, sich nicht zu schnell zum Richter aufzuschwingen:
- Ich habe Rainer Schaller, den Veranstalter der Loveparade und Chef der McFit-Studios, schon vor der Veranstaltung kennengelernt. Ich schätzte ihn als einen Macher. Er hat mit Begeisterung von der Loveparade erzählt und auch davon, dass sie ein millionenschweres Minus-Geschäft ist, das er sich nur wegen der guten PR für seine Fitnessstudios leisten kann. Wenn er also aus Spargier die Sicherheit vernachlässigt haben sollte, gehört er dafür bestraft. Aber er kam mir nie vor wie ein Mensch, der absichtlich Leid über die Menschen bringen wollte. In den Tagen nach der Katastrophe hatten wir mehrfach telefonisch Kontakt – und seine Stimme verriet, wie unfassbar dreckig es ihm geht. Das macht natürlich keinen der Toten wieder lebendig und reicht auch nicht als Sühne, wenn sich herausstellt, dass er vorsätzlich gegen Auflagen verstoßen hat. Aber zumindest kann man mal für einen Moment darüber nachdenken, wie tief er wohl direkt involviert war – als oberster Chef. Kannte er wirklich jedes Planungsdetail? Oder muss man ihm erstmal glauben, wenn er sagt: “Wenn sechs Monate mit den Behörden alles besprochen wurde und uns dann eine Genehmigung erteilt wird – dann muss ich mich darauf doch auch verlassen können.”?
- Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland kenne ich ebenfalls noch aus den Jahren vor der Loveparade. Als Büroleiter der BILD-Redaktion in Essen stolperte ich immer wieder über den Politiker. Natürlich betrachtete ich ihn mit journalistischer Distanz – aber er war in meinen Augen ein Lebemann, der das große Ziel hegte, Duisburg ein bisschen besser dastehen zu lassen und dieses Ziel mit ehrlicher Leidenschaft verfolgte. Auch hier gilt: Wenn er dabei über das Ziel weit hinausgeschossen ist – und so sieht es derzeit aus – muss er dafür die Verantwortung tragen. Doch ebenso gilt: Sauerland verdiente sicherlich nicht persönlich Millionen mit der Loveparade und wollte ebenso wenig Menschenleben opfern. Sein Antrieb war ein anderer – für den er zuvor noch geschätzt worden war.
- Auf unserem Weg auf der Todesrampe sahen wir weinende Polizisten, Beamte und Ordner, die sich gegenseitig Trost spendeten. Wenn sich nun herausstellen sollte, dass die Polizeikette auf der Rampe mit dazu beigetragen hat, dass es zu der Katastrophe kam, wird auch die Polizei zur Verantwortung gezogen werden. Doch erneut ist zu sagen: Die Menschen, die im Chaos Befehle gaben und die Beamten, die diese Befehle ausführten, hatte niemals zum Ziel, jemandem zu schaden. Sie müssen sich ihrer Verantwortung stellen – aber sie schon jetzt zur Schuld zu hetzen, halte ich für falsch.
- Jeder sollte in Erwägung ziehen, dass der Grund für die Katastrophe auf der Loveparade viele, viele kleine und mittlere Fehlentscheidungen und Fehleinschätzungen von vielen beteiligten Personen waren. Im Vorfeld, während der Genehmigungen und auch während der furchtbaren Stunde zwischen kurz nach 16 Uhr und kurz nach 17 Uhr am 24. Juli. Es kann also sein, dass viele Menschen einen kleinen Teil der riesengroßen Schuld tragen – und nicht drei Leute (Polizeichef, Bürgermeister, Veranstalter) die ganze Schuld allein.
Das ändert nichts daran, dass diese drei am Ende die Verantwortung tragen müssen – politisch und juristisch. Aber vielleicht ändert es etwas daran, wie groß die Wut auf diese Menschen sein muss, solange man noch nicht alle Fakten kennt.
Was macht eigentlich Haiti? 100 Tage nach dem Beben
Mein Fazit von unserer Rückkehr nach Haiti, 100 Tage nach dem Beben: Es ist noch immer atemberaubend, wie das Erdbeben Port au Prince entstellt hat, wie groß das Leid der Menschen ist – aber auch, mit welcher Freundlichkeit, Höflichkeit und Dankbarkeit die Leute in Haiti mit ihrem Schicksal umgehen und uns Fremden begegnen.
Es ist weder so, dass sich nichts getan hätte – aber ebenso wenig lässt sich behaupten, dass es wieder normal zugeht in Port au Prince. Die Leichen sind verschwunden. Die Menschen flehen nicht mehr zu Hunderten um Wasser. Man sieht keine blutigen Verletzungen mehr, wie bei unserem ersten Besuch in der zerstörten Stadt.
Dafür ist die Not inzwischen zum Alltag geworden. Man lebt in Zeltstädten, auf Trümmerbergen haben Leute kleine Marktstände errichtet, an denen sie Habseligkeiten verkaufen, die sie im Schutt gefunden haben. Für manche gibt es tatsächlich wieder ein Stück Normalität. Supermärkte haben geöffnet, es gibt einen Burger-Laden, einen Pizza-Lieferservice. Doch die meisten sind froh, wenn sie in einem der Zeltlager der Hilfsorganisationen unterkommen. Denn hier existiert fast so etwas wie Infrastruktur. Dixie-Toiletten, regelmäßige Essensverteilung, Zelte, in die es nicht sofort reinregnet.
Haiti war schon vor dem Beben eines der ärmsten Länder. Es gab auch damals schon Slums und das Leid der versklavten Kinder. Nun ist es noch schlimmer geworden. Kinder, die ihre Angehörigen im Beben verloren haben, verdingen sich freiwillig als Sklaven. “Besitzer”-Familien werfen ihre Sklavenkinder raus, weil sie nichts mehr haben, mit dem sie die Kinder ernähren könnten.
Was tun die vielen, vielen Helfer? Die Ärzte pflegen nun nach. Viele der Not-Operationen konnten kurz nach der Katastrophe nicht optimal durchgeführt werden. Es fehlte an Material, der Ansturm war gigantisch. So sind zum Beispiel gebrochene Knochen wegen fehlender Röntgengeräte nicht perfekt aneinander gesetzt worden. Verletzungen brechen wieder auf und müssen neu operiert werden. Entzündungen werden behandelt. Prothesen für die, die Amputationen hinnehmen mussten, werden angepasst.
Andere Hilfsteams haben “Child friendly Spaces” eingerichtet. Orte, an denen Kinder spielen können und ein bisschen unterrichtet werden. Es gibt keine Ordnung in Port au Prince, niemanden, der ansonsten dafür sorgen würde, dass sich um die Kinder, die oft ihre Eltern verloren haben, gekümmert wird. Die Helfer organisieren den Wiederaufbau der Schulen und arbeiten auch gegen die Kindersklaverei (siehe auch diesen Beitrag).
Am Straßenrand sieht man immer wieder Gruppen von Männern in gelben T-Shirts. Sie sind im Cash-for-Work-Programm: Fünf Dollar pro Tag von der Regierung und aus staatlichen Hilfstöpfen, wenn sie dabei helfen, den Schutt wegzuräumen. Manche dieser Gruppen wurden von US-Soldaten bewacht. Warum? Wir haben es auch nicht herausgefunden. So sei der Auftrag…
Für uns Beobachter erschließt es sich noch immer nicht, wie jemals wieder so etwas wie normaler Alltag in Haiti einziehen soll. Es ist noch wahnsinnig viel zu tun. Ich will gern auf überflüssigen Pathos verzichten – auf jeden Fall halte ich es für sagenhaft sinnvoll, sich hier zu engagieren.
Drei Beispiele, warum mir die Menschen wohl so ans Herz gewachsen sind:
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Wir liefen durch das Stadtzentrum. Wie üblich stürmten Kinder auf uns ein, wollten an die Hand genommen werden, baten um Essen, Trinken, Geld. Wie üblich gaben wir nichts (Wenn jemand nicht versteht, warum nicht: gern nachfragen. Hat nix mit Geiz zu tun). Fast eine Stunde begleiteten uns die Kinder und fragten immer wieder nach einem Dollar. Als wir ins Auto einstiegen und sie merkten, dass sie von uns nichts bekommen, erwartete ich Beschimpfungen. Zumindest, dass jemand bei unserer Abfahrt hinter uns her flucht. Aber nichts. Sie winkten, lachten, riefen “Aufwiedersehen!” - Einmal hatte ich mitten in einer Not-Zeltstadt meine Wasserflasche auf der Pickup-Ladefläche vergessen. Nach über einer Stunde kehrten wir zurück. Einige Kinder hatten inzwischen die Ladefläche als prima Spielplatz ausgemacht. Aber niemand hatte die Wasserflasche genommen oder davon getrunken. Nicht einmal angerührt hatten sie die Flasche. Und das in einer Situation, in der es an allem fehlt.
- Mit brasilianischen Blauhelmen sind wir abends in der Dunkelheit in die Cité Soleil gegangen. Das berüchtigste Armenviertel von Port au Prince. Hier sollen sich auch tausende der über 8000 entflohenen Verbrecher aus dem zusammengestürzten Gefängnis verstecken. Auch wir mussten schusssichere Westen und Helme tragen. Was passierte? Die Kinder kamen, sangen und tanzten mit den Soldaten. Sonst nichts.
Ich war in keinen anderen vergleichbaren Katastrophengebieten. Doch selbst erfahrenste Helfer sagen, dass die Freundlichkeit der Haitianer beispiellos ist. Ich werde auch weiterhin versuchen, die Zukunft dieses Landes und dieser tollen Menschen zu verfolgen.
Hier nun unsere Artikel, Fotos und Videos für BILD:
Online-Tagebuch:
Der Weg zurück in die Beben-Hölle
Port-au-Prince riecht nicht mehr nach Tod
95 Tage nach dem Beben steht Glossina zum ersten Mal auf
Gott will nicht, dass Kinder so leben
Der Ort, an dem Kinder wieder lachen lernen
Serie:
100 Tage nach dem Beben: BILD bei den Opfern von Haiti
Das Schicksal von Sklavenmädchen Kettlene
Sie lernen neben ihren toten Mitschülern
Die Zeltstädte von Port-au-Prince
Und hier meine iPhone-Fotos als Galerie mit Bildunterschriften. Ich weiß nicht warum, aber ich hatte Probleme mit der Darstellung. Wenn ihr keine Bildunterschriften sehen könnt, klickt auf “Mit PicLens anzeigen”. UND: Bitte beachtet, dass die Galerie in vier Unter-Galerien aufgeteilt ist. Nach Foto 20 ist noch nicht Schluss…
Kommentare zu den Haiti-Berichten – und ein Gegenkommentar
Vor ein paar Tagen sind wir aus Haiti zurückgekehrt. Dank der Asche-Wolke hat die Reise länger als erwartet gedauert. Ich werde hier sicherlich noch ein ausführliches Fazit ziehen, die Links zu unseren Berichten zusammenfassen und Fotos einstellen. Es war wieder sehr bewegend – und wieder war es toll, wie ihr uns mit euren Kommentaren z.B. auf Twitter unterstützt habt. Natürlich war es aber auch durchaus spürbar, dass die Anteilnahme an Haiti nachgelassen hat (Vorgeschichte hier).
Eine Sache brennt mir ein bisschen auf der Seele: Unter unseren Artikeln auf BILD.de (z.B. hier) gab es Kommentare, zu denen ich dringend etwas loswerden muss. Denn sicherlich sind sie gut gemeint – aber irgendwie haben sie in meinen Augen die völlig falsche Botschaft.
Zum Beispiel dieser Kommentar:
Ich hab geahnt dass so etwas kommt und zögerte nach dem Erdbeben lange, Geld für die Unterstützung dieses Regimes zu spenden. Natürlich spendete ich, wollte den armen Menschen helfen. Und es kam wie es kommen musste: Den Menschen geht es schlecht, machtlos sehen wir der Kindersklaverei zu und die Welt dreht isch weiter. Zum kotzen! Stiefelknecht
Oder dieser:
Klar Spendengelder sammlen. Wieviel von dem 1 EUR pro Person käme den dort wirklich an???? Ich behaupte mal weniger als 0,10. Und das was dann ankommt sacken sich Krimminelle dort unten ein. Geldspenden sind falsch. Personelle Hilfe und Hilfsgüter wären die richtige Antwort. Leider machen zuviele die Taschen mit dem Thema Spenden und helfen voll. Tanken_Schorsch
Ich halte es für total falsch, aus dem Leid der Menschen in Haiti zu schließen, dass Spenden nicht helfen! Zeigt man glückliche Kinder, heißt es “Warum spenden? Denen geht es doch gut!” Beschreibt man das Elend, heißt es: “Aha, die Spenden kommen also eh nicht an.” Nur, weil man nicht von heute auf morgen den Schalter umlegen und z.B. alle Sklavenkinder befreien kann, heißt das noch lange nicht, dass die Arbeit der Hilfsorganisationen vor Ort nicht gut ist.
Ebenso ist es nicht richtig, dass Sachspenden das Sinnvollste sind. Ich würde immer Geld spenden, weil gerade die Hilfsorganisationen wissen, wie man damit am besten umgeht. Natürlich liegt mir schon beruflich “Ein Herz für Kinder” am nächsten, weil ich hier persönlich weiß, dass kein Cent irgendwo hängen bleibt. Aber wir haben viele tolle Hilfsteams kennengelernt: Kindernothilfe, World Vision, Lands Aid, Humedica, etc.. Jürgen Schübelin, den wir mehrmals bei seiner Arbeit in Haiti begleiteten, hat immer einen Quittungsblock im Rucksack, damit er jeden verwendeten Dollar belegen kann. Wirklich jeden Dollar. Ein anderer Helfer zeigte uns aber auch Sachspenden, die seine Organisation erhalten hat. Natürlich gibt es auch hier sinnvolle Hilfspakete – doch wir sahen auch Suspensorien (ohne Schalen!) und Schwimmwesten, die gespendet worden sind. Das hat die Menschen in Haiti auch nicht wirklich weitergebracht.
Um auf das konkrete Beispiel der Sklavenkinder in Wharf Jeremie einzugehen: Dort unterstützt die Kindernothilfe nun eine Schule, um den Kindern Bildung zu vermitteln, damit sie eine Chance haben, wenn sie zu alt für ihre “Besitzer” sind und rausgeworfen werden. Außerdem lernen sie hier Selbstbewusstsein. Sie sollen behutsam nach und nach zur Eigenständigkeit erzogen werden, um irgendwann selbst ihre Lage ändern zu können. Schon über 150 versklavte Kinder kommen hier täglich her.
Wenn du stattdessen in die Slums gehst und jedem Sklavenkind 1000 Dollar in die Hand drückst, kann es davon sehr lange Zeit Nahrung kaufen – aber es hat noch längst kein neues Zuhause, keine Ausbildung, keine Zukunft. Ganz abgesehen davon, dass diese Art der Sklaverei in den Elendsvierteln von vielen Menschen geduldet wird, weil sie gar nicht verstehen, was daran falsch ist. Heißt: Morgen hätten sie ein neues Sklavenkind. Dagegen kann man nur langsam und mit Aufklärung vorgehen. Die Bilder bleiben sicherlich noch lange bedrückend – aber es wird Stück für Stück besser.



