Archive for the ‘Meine Nische’ Category

Was macht eigentlich Haiti während der Fußball-WM?

without comments

Die Antwort ist sehr sympathisch: Die Haitianer feiern Deutschland!

Jürgen Schübelin, Referatsleiter Lateinamerika der Kindernothilfe, schickte gestern eine rührende Mail, in der aus jeder Zeile seine Begeisterung über die Menschen in Port au Prince abzulesen ist. Und in der es nicht um das Leid der Bebenopfer geht, was nach wie vor riesig ist – sondern um die Freude am Fußball.

Jürgen war einer der Helfer, die mit uns kurz nach dem Haiti-Beben nach Port au Prince gereist sind. Auch bei unserer Rückkehr war er wieder vor Ort – und auch derzeit hilft er weiter in Haiti dabei, die Projekte der Kindernothilfe wieder aufzubauen und neue ins Leben zu rufen. Mal ganz ohne journalistische Distanz: ein großartiger Mensch!

Insofern hoffe ich, dass er es mir nicht übel nehmen wird, wenn ich seinen Beitrag hier einfach veröffentliche. Er wird mit Sicherheit auch noch auf der Seite der Kindernothilfe gepostet. Und hoffentlich gibt es neue Bilder nach dem grandiosen Halbfinalsieg gegen Spanien. Wie gesagt: Copyright für den Text und alle Fotos bei Jürgen Schübelin, Kindernothilfe.

______________________________________________________

Liebe Fußballfreunde in Deutschland,

haitipublicviewing Ihr müsst jetzt ganz tapfer sein. Wenn Ihr glaubt, dass die tollste Feier zum unfassbaren 4:0-Sieg der DFB-Elf vom Samstagnachmittag über die argentinische Selección in Wanne-Eickel, Duisburg oder unter dem Brandenburger Tor stattgefunden hat, täuscht Ihr Euch gewaltig. Ihr habt möglicherweise auch Euren Spaß gehabt, das bestreiten wir ja gar nicht, aber das, was heute hier in Haiti abging, könnt Ihr Euch einfach beim besten Willen nicht vorstellen.

Gestern waren die Menschen nach der brasilianischen 1:2-Niederlage gegen die Niederlande noch am Boden zerstört. Fassungslos. Tränen und betretenes Schweigen. Brasilianischer Fußball ist in diesem Land das Größte. Nur, weil die Menschen in Haiti die brasilianischen Fußballer lieben, bei jeder WM und jeder Copa Libertadora (dem lateinamerikanischen Pendant zur Europameisterschaft) die treuesten aller Fans der brasilianischen Nationalauswahl sind, werden die brasilianischen MINUSTAH-Soldaten im Lande gern gelitten, was man von vielen anderen Kontingenten dieser UN-Schutztruppe nicht behaupten kann. Seit Wochen wurden ganze Straßenzüge in Port-au-Prince mit den brasilianischen Nationalfarben geschmückt.

Zwischen den Ruinen hängen Girlanden aus gelben und grünen Plastikflaschen, liebevoll und mit großer Geduld aus dem Müll herausgesucht. Die Bierwerbung im Fernsehen macht mit der Präferenz der Fans ihre Geschäfte. Nach jedem Brasilienspiel sind die Straßen von Port-au-Prince stundenlang unpassierbar. Karnevalsstimmung: Hunderttausende auf der Straße. Die Regierung hat die FIFA-Rechte für alle Übertragungen aus Südafrika gekauft und gratis an sämtliche Fernsehkanäle weitergegeben. Keine andere Entscheidung, die Präsident René Prèval seit der Erdbebenkatastrophe vom 12. Januar getroffen hat, war so populär wie diese. Überall in den Lagern und Zeltstädten wurden Großleinwände installiert.

haitifans Die Rechnung ging auf: Während der Fußballweltmeisterschaft hörten die täglichen Demonstrationen gegen Prèval und seine Regierung schlagartig auf. Die Menschen in Haiti, deren eigene Nationalmannschaft 1974 zum allerletzten Mal, damals in Deutschland, selbst bei einer WM dabei war – und wo es derzeit in der Hauptstadtregion keinen einzigen bespielbaren Fußballplatz gibt, weil jede freie Fläche mit Notunterkünften bedeckt ist, fiebern sich kollektiv in Fußballextase.

Wer behauptet, Fußball sei Opium fürs Volk, irrt. Zumindest in Haiti. Hier ist Fußball Therapie. Zum ersten Mal in diesem furchtbaren halben Jahr seit der Katastrophe vom 12. Januar haben die Menschen wieder richtig Spaß, Freude am Feiern. Fußball als Katharsis. Was für ein Geschenk!

Und dann das Unfassbare: Brasilien verliert gegen die Niederlande. In Haiti ist das so etwas wie eine nationale Katastrophe. Doch diesmal dauert die Trauer nur eine Nacht. An diesem Samstagmorgen wachen die allermeisten Brasilienfans als Freunde der deutschen Nationalmannschaft auf: Weil, eines mögen sie nun wirklich nicht: Dass, gestern in ihrer bittersten Stunde, Zehntausende von Argentinien-Anhängern (die gibt es nämlich auch) schadenfroh stundenlang und lautstark den Sieg der Holländer gefeiert haben. Da passt es gut, dass der Tag der Rache nicht lange auf sich warten lässt: Deutschland gegen Argentinien, der Klassiker!

haitiparty Wir, das sind meine Kollegin Antonie Hutter und ich, sind eigentlich mit dem ARD-Hörfunk-Redakteur Martin Polansky zum Arbeiten unterwegs, Besichtigung der Abrissarbeiten der beim Erdbeben stark beschädigten Fort-National-Schule im Stadtteil Impasse Terrasse. Zum Glück sind wir so früh da, dass wir die wackeren Bauarbeiter der Firma G 3 noch in voller Aktion erleben, mit Vorschlaghämmern, Schaufeln, Schubkarren, Spitzhacken und weißen Schutzhelmen auf dem Kopf. Um neun Uhr haitianischer Zeit ist dann aber erst einmal Schluß mit dem Abriss. Das Spiel Argentinien gegen Deutschland wird angepfiffen. Ganz Impasse Terrasse drängt sich um die Fernsehgeräte, die draußen vor den Häusern, in den engen Gässchen aufgestellt werden. Der Strom kommt aus Autobatterien, die sorgfältig aufgeladen wurden, damit es wirklich für 90 Minuten und eventuell die Verlängerung und das Elfmeterschiessen reicht.

Public Viewing inmitten der Ruinen. Wir stellen uns erst mal ganz schüchtern dazu. Man weiß ja nie, vielleicht sind die Leute hier alle Argentinien-Fans. Herr Müller mit seinem ersten Tor belehrt uns eines Besseren. Um uns herum brechen lautstarke Jubelstürme los. Frauen, durchaus nicht mehr ganz im Mädchenalter, rennen aus den Häusern, fallen sich um den Hals. Begeisterung pur. Impasse Terrasse brüllt für Deutschland. Muller, Muller, Muller! Der Wahnsinn geht weiter – Klose, Friedrich, Klose. Bei jedem argentinischen Angriff halten sich die Leute die Hände vor die Augen. Bloß kein Tor für Maradona. Den mögen sie hier nicht, das merken wir sehr schnell.

Ein mutiger Argentinienfan versucht mit seiner Schubkarre verzweifelt, durch die Menschenmenge zu kommen. Weil er aus seinem Ärger über den Spielverlauf keinen Hehl macht, bekommt er von den begeisterten Deutschlandfans die gelbe Karte gezeigt: “Siehst Du, so geht es den Schadenfrohen!”

haitijubel “Warum um Himmelswillen”, fragt Martin Polansky aus dem ARD-Studio Mexiko die Leute fassungslos, “seid Ihr alle für Deutschland?” Eigentlich sind wir ja für Brasilien, antwortet Fabienne, die eine ganze Menge von Fußball versteht, “aber, nachdem Brasilien verloren hat, muß Deutschland gegen Argentinien gewinnen!” Und dann wird sie richtig philosophisch: “Fußball ist das schönste Spiel der Welt. Alle Menschen freuen sich. Und wir vergessen für einen Moment die Ruinen um uns herum.”

Weil wir es immer noch nicht richtig begriffen haben, erklärt uns Fabienne begeistert: “Im Endspiel Deutschland gegen Holland sind wir natürlich für die Holländer, die haben ja schliesslich die Brasilianer besiegt.” (<– kurze persönliche Anmerkung von mir, Daniel: Der einzige Absatz, der mir deutlich missfällt!!)

Doch vorher wird in Impasse Terrasse gefeiert. Und wie! Laut hupende Motorradfahrer halten uns begeistert die Hand mit dem abgewinkelten Daumen und den vier nach oben gestreckten Fingern entgegen: 4:0. Tausende von Menschen tanzen und winken. Dass sie uns nicht noch im Triumphzug durch die Straßen tragen, ist alles. Eine begeisterte Menschenmenge schwenkt die deutsche Fahne. Dass auf der Fort-National-Baustelle nach diesem Fest noch weitergearbeitet wird, können wir getrost ausschliessen.

Die Menschen in Haiti mögen derzeit eine Menge Probleme haben. Aber Eines kann Ihnen niemand nehmen: Sie sind die sympathischsten Fußballfans der Welt. Liebe FIFA, falls Sie zufällig nicht wissen sollten, wohin mit der nächsten Fußball WM, wir hätten da einen Vorschlag: Port-au-Prince, Haiti!

Viele Grüße nach Deutschland senden:

Antonie Hutter und Jürgen Schübelin

Written by admin

Juli 6th, 2010 at 1:21 pm

Was macht eigentlich… die Webnische im Urlaub?

without comments

Die Webnische hatte (oder hat noch immer!?) Sommerpause. Irgendwie kamen so viele Dinge zusammen, dass ein paar Wochen lang keine Zeit für gut gelaunte Einträge war.

Da ich selten in der Redaktion fotografiere, lässt sich die Hektik dort nicht als Entschuldigungsgrund bebildern. Aber dann kam der Urlaub – und somit der kleine Fotoroman: Dinge, die noch ein bisschen mehr Spaß machen als der Blog:

Karaoke im Mauerpark
(Erkenntnis: Schöfferhofer Kaktusfeige schmeckt gar nicht so fies, wie es sich anhört):

Karaoke im Mauerpark

Sonntagskaraoke im Berliner Mauerpark

Hochzeitsfeier der lieben Schwägerin im Weserbergland und vorher sonnen am Weiher
(Erkenntnis: Ich will ein Wochenend-Grundstück haben!!)

Sommer am See im Weserbergland

Sommer am See im Weserbergland - und Hochzeit von Kay und Lena

Unser Trip mit 100 BILD-Lesern nach Durban zum 4:0 der Deutschen gegen Australien
(Erkenntnis: 32 Stunden Flug haben sich für die 20 Stunden Aufenthalt mehr als gelohnt!!)

Indischer Ozean und ich

Indischer Ozean und ich

WM Durban Deutschland Australien

Kollegin Maren im Glück

WM Durban Deutschland gegen Australien

...alle anderen auch

Rückflug mit Zwischenstopps in Kenia und Ägypten:

Kenia von oben

Kenia von oben

Ägypten von oben

Ägypten von oben

Konzert mit Sophie in der Wuhlheide
(Erkenntnis:”Ich war bei David Garrett” wird meist mit einem freundlichen “Beileid” quittiert – zu Unrecht)

Konzert in der Wuhlheide

Konzert in der Wuhlheide

Public Viewing in Berlin: Deutschland : Serbien
(Erkenntnis: Der Schiri war schuld! Und: Nein, ich bin kein objektiver Fußball-Beobachter)

Deutschland - Serbien. Public Viewing in Berlin

Deutschland - Serbien. Public Viewing in Berlin

Camping-Urlaub in Dänemark
(Erkenntnis: Ich bin offenbar reif für Familien-Idylle – und: auch Camper gucken WM)

Zelten in Dänemark

Zelten in Dänemark

Hinzu kommt natürlich noch, dass Deutschland weiterhin in der WM spielt und ich somit alle Spiele sehen muss (um potenzielle Gegner zu analysieren), dass Schmähsongs auf Argentien zu komponieren waren und generell der Sommer gerade viel zu großartig ist, um ihn vor dem PC zu verbringen.

Demnächst (spätestens zur nächsten Regenzeit) kehrt hier dann wieder mehr Leben ein – hoffentlich nicht vor dem 11. Juli!

Jetzt heißt’s erstmal wieder: Schlaaand!

Written by admin

Juli 2nd, 2010 at 1:47 pm

Posted in Meine Nische

Tagged with

SEO-Party und SEO-Kater in der Webnische

with one comment

SEO, Googleoptimierung, Suchmaschinenoptimierung, Andreas Türck, Google… So, damit wären alle Keywords gleich zu Beginn untergebracht und unser SEO-König Gerno (auf dessen Blog ich hier gerne verlinken würde, um noch produktiver zu optimieren und Pingback-Bonuspunkte zu bekommen – aber leider finde ich seine Blog-URL nicht) würde mir anerkennend auf die Schulter klopfen.

Dieser krampfige Einstieg musste leider sein – denn ab heute sehe ich mich als waschechten SEO-Experten!

Wie ich mir den Titel verdient habe? Keine Ahnung! Jedenfalls wunderte es mich, dass plötzlich die Seitenzugriffe (verhältnismäßig) sprunghaft anstiegen. Ein Blick in Analytics zeigte mir, dass viele Besucher über den Suchbegriff “Andreas Türck” herfanden. Also fix bei Google nachgeschaut: Da erscheint die Webnische tatsächlich auf Platz 4.

Andreas Türck auf Google - Webnische als 4. Ergebnis (ausgenommen: Bilder, Videos)

Andreas Türck auf Google - Webnische als 4. Ergebnis (ausgenommen: Bilder, Videos)

Daraufhin habe ich nochmal gestöbert, was so die zehn (oder neun) Kernregeln zur Suchmaschinenoptimierung sind und stellte fest, dass ich in diesem Fall (fast versehentlich) das Meiste richtig gemacht habe – offenbar prägen sich die Schulungen auch unterbewusst ein.

Und so kam ich wieder ins Grübeln über SEO – und zu folgender Meinung:

  • Es ist sinnvoll und wichtig, gut gefunden zu werden. Am Kiosk freue ich mich auch, wenn unsere Zeitung ganz oben ausliegt und sich nicht versteckt.
  • Als Medium sollte man sich dorthin bewegen, wo der Leser einen sucht – und nicht darauf warten, dass er von selbst den Weg findet. Insofern ist SEO auch eine journalistische Maßnahme.
  • Es ist nichts falsch daran, ein Auge auf Google-Abfragen zu haben, um zu sehen, für welche Themen sich User interessieren. Wenn Leute zuhauf Fragen zu Themen haben oder es ein gebündeltes Interesse gibt, ist es eine journalistische Aufgabe, diese Themen aufzugreifen und zu erörtern.
  • Wenn ich es schaffe, Google-Besucher auf meiner Seite dank der Inhalte zu halten und zum Wiederkehren zu bewegen, ist SEO eine tolle Möglichkeit, User auf sich aufmerksam zu machen.
  • Dennoch bleibt das Wichtigste der journalistische Inhalt, die Gestaltung und die Form – gerade für Medien. Ich nehme wesentlich lieber eine schlechte Google-Platzierung in Kauf als meine Inhalte zum fachlich oder gestalterisch Schlechten zu verbiegen, nur um Google zu gefallen. Langfristig wird das auch von Lesern honoriert.
  • Ergo: Markentreue und Direkteinstiege sind mir wichtiger als Google-Traffic.
  • Zum Glück kann man das eine tun, ohne das andere zu lassen.

Die Zlatko-Geschichte bei Google

Die Zlatko-Geschichte bei Google

Okay, das sind vielleicht Binsenweisheiten – aber so mancher wird wissen, wie heiß und leidenschaftlich das Thema in Redaktionen diskutiert wird. Und nun habe ich auch meine persönliche Sicht der Dinge beigetragen.

Irgendwie ist es auch schade zu erkennen, dass es mitnichten plötzlich mehr treue Webnischen-Besucher gibt – sondern die Zahl allein Google zu verdanken ist.

Ein schneller Nachtrag: Gerade festgestellt, dass auch “Was macht eigentlich Zlatko?” ganz gut im Google-Rennen liegt. Immerhin noch auf Seite 1! Direkt vor… Oh… Das muss ein technischer Fehler sein.

Written by admin

Mai 4th, 2010 at 9:10 pm